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Johanna Mangold (*1984, Kempten) interessieren jene Wahrnehmungsmechanismen, die sich an den Schnittstellen zwischen der greifbaren Realität, dem Unbewussten und Fiktion abspielen. Einen besonderen Stellenwert haben dabei die Phänomene Traumerfahrung und Erinnerung, in die sowohl die dinghafte Realität als auch Unbewusstes und Fiktionales, also unsere Fantasie hineinspielen. Beides, Traum und Erinnerung, sind in sich heterogene, ungeordnete Sammelsurien an Bewusstem wie Unbewusstem, die durcheinander strömen und deren Quelle vermeintlich im Persönlichen oder Individuellen liegt. Während Traum und Erinnerung gemeinhin als absolut private ‚Räume‘ begriffen werden, die nur das Individuum selbst ‚sehen‘, fühlen und erfahren kann, ist weniger offensichtlich, dass Traum und Erinnerung auch im Verhältnis zur gesellschaftlichen Außenwelt zu sehen und in kollektiven Bildwelten, eingeübten Konventionen sowie allgemeinen Prägungen der Zeit verankert sind.
In dieser Ambivalenz zwischen subjektivem und kollektivem Wissen, zwischen subjektiver und kollektiver Erfahrung und der wechselseitigen Einschreibung des Privaten in das Kollektive, bzw. Öffentliche (vice versa) arbeitet die Künstlerin Johanna Mangold. So wie die Modi Heterogenität und Perspektivenwechsel damit inhaltlich in Mangolds Arbeit eingeschrieben sind, sind sie auch methodisch und künstlerisch fest verankert und lassen sich auf verschiedenen Ebenen ausmachen:
Durch die mediale Bandbreite der Künstlerin materialisieren sie sich in Ihren Arbeiten. Je nach spezifischen Darstellungs- und Ausdrucksmöglichkeiten des Mediums – also ob Malerei, Zeichnung, Skulptur, Text, Klang, Video oder neue digitale und virtuelle Gattungen wie die Virtual Reality (VR) – tastet Mangold ihre Motive ab, umkreist sie. Sie nähert sich ihnen dabei an und erschließt sich prismatisch aufgebrochen ihre verschiedenen Charakteristika, die sie dann in den fertigen Arbeiten wieder zueinander arrangiert.
Entsprechend begreift die Künstlerin Körper (aber auch andere darstellbare Dinge, Motive, Landschaften – sämtliche dinghafte ‚Entitäten‘) als Orte der Transformation, als Orte der Erinnerung und als biografische Karten, in denen sich Erfahrungen als Markierungen niederschlagen, die Geschichte haben, Schichten. So sehen sich in ihren Bildwelten Betrachter*Innen einer zwar gegenständlichen, jedoch dekonstruierten Motivik aus mal unvollständigen-, mal verzerrten Körpern, Gesichter und Motiven gegenüber. Ihre künstlerische Welt ist von hybriden, ambivalenten, vielschichtigen Wesen bevölkert, die von einem steten amorphen Wandel ergriffen und immer ein bisschen mehr sind, als sie selbst – herausfordernd.
Obwohl sich schließlich auch in den Erzähltechniken häufig Sprünge und Perspektivenwechsel ergeben, wird ihre Kunst von starken Narrativen durchzogen, die ihren Ausgangspunkt häufig in eigenen Erfahrungen haben. Kunst und Ausdruck werden so bei Johanna Mangold ganz grundlegend und vielschichtig zur Reflexion, zu einem Ort des Austausches von Privatem und Kollektivem.
Mangold studierte von 2007-2015 Freie Malerei und Freie Grafik an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Prof. Cordula Güdemann und Prof. Rolf Bier. Es folgte ein Postgraduales Studium im Weißenhof-Programm der Akademie als Meisterschüler*in bei Prof. Ricarda Roggan. Sie hat international in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen ausgestellt. Derzeit lebt und arbeitet sie in Ulm.

/ Viktoria Tiedeke im Zuge des Residenzstipendiums bei Global Forest e.V. (2021)